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Nicht ohne mein soziales Netz! Wie soziale Bedürfnisse und emotionale und mentale Gesundheit zusammenhängen

Wir Menschen sind soziale Wesen. Nicht nur als hilflose Säuglinge sind wir auf Bindung zu anderen anderen angewiesen. Wir haben unser ganzes Leben lang soziale Bedürfnisse, wenn auch mit unterschiedlichen Ausprägungen. Ihre Erfüllung trägt maßgeblich zu unserem emotionalem Wohlbefinden und unserer mentalen Gesundheit bei.


Wir brauchen andere Menschen, um uns sicher und geborgen zu fühlen, um zu lernen und uns zu entwickeln. Wir brauchen sie als Inspiration und als Korrektiv. Wir brauchen sie, um zu lieben und geliebt zu werden.


INHALT



Freunde stehen Arm in Arm und schauen einen Sonneuntergang an.


Was wir Menschen brauchen für emotionale und mentale Gesundheit – Die Maslowsche Bedürfnispyramide


Wir Menschen haben eine ganze Reihe an Bedürfnissen, deren Erfüllung Grundlage dafür ist, dass wir uns rundum stabil und gesund fühlen – hinsichtlich Körper, Geist und Seele sozusagen. Es gibt einige komplexe Theorien von schlauen Männern (was schlaue Frauen zu sagen hatten, wurde ja leider sehr lange Zeit überhört), um diese Bedürfnisse aufzuschlüsseln.


Ein sehr simples und eingängiges Modell ist das des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow aus den 1950er Jahren – die Maslowsche Bedürfnispyramide. Er unterteilt unsere Bedürfnisse in fünf Bereiche, die aufeinander aufbauen:


  1. Physische Bedürfnisse: Hier geht es um ganz grundlegende Existenzbedürfnisse, wie Atmung, Schlaf, Wasser, Nahrung, aber auch Fortpflanzung. (Diese Einteilung ist ganz ähnlich zu meiner Definition (Stichwort „was schlaue Frauen zu sagen haben ;-)“) der Essenziellen Selbstfürsorge).

  2. Sicherheitsbedürfnisse: Nach Erfüllung der Basisbedürfnisse streben wir nach körperlicher und physischer Sicherheit. Das betrifft Materielles wie Wohnung, Arbeit, Geld, aber auch Immaterielles wie Frieden und Gesundheit.

  3. Soziale Bedürfnisse: Hier kommen schon die sozialen Bedürfnisse, die im Rampenlicht dieses Blogartikel stehen – Bindung in Familie, Freundschaften und Partnerschaft, Zugehörigkeit zu Gruppen, Kommunikation mit anderen Menschen, Gemeinschaftsgefühle, Liebe.

  4. Individualbedürfnisse: Auf dieser Ebene streben wir nach Erfolg, Freiheit und Unabhängigkeit, aber auch Wertschätzung, Anerkennung und Respekt.

  5. Selbstverwirklichung: Sind alle anderen Bedürfnisse erfüllt, dann kommt sozusagen die Krönung - wir wollen unsere Talente und Potenziale entfalten, unsere Fähigkeiten und unsere Persönlichkeit weiterentwickeln.


An dieser Übersicht über unsere Bedürfnisse kann man ganz gut erkennen, wie wichtig neben einer soliden körperlichen und materiellen Grundversorgung, die soziale Komponente dafür ist, dass es uns gut geht und wir ein erfülltes Leben leben können.


Wir brauchen andere Menschen!


Soziale Bedürfnisse aus verschiedenen Blickwinkeln


Aber warum ist das so? Warum sind wir Menschen für unsere emotionale und mentale Gesundheit, für Erfüllung und Freude in unserem Leben, auf andere angewiesen?


Auch dazu gibt es eine ganze Reihe von Erklärungsansätzen und Theorien, von denen ich ein paar ausgewählt habe, die mir persönlich besonders nachvollziehbar erscheinen und die zum Teil auch in meiner Arbeit eine große Rolle spielen.


Soziale Bedürfnisse und Evolution bzw. Entwicklungsbiologie


Ganz archaisch gesehen, tragen wir alle noch einen Höhlenmenschen in uns. Vor nicht allzu langer Zeit (zumindest in Relation zur Entwicklung der Menschheit), lebten wir bzw. unsere Vorfahr*innen noch in Clan-Verbänden in Höhlen zusammen. Die Zugehörigkeit zu diesen Gruppen war überlebenswichtig. Alleine ein Mammut erlegen, in die Höhle schleppen und zubereiten? Unmöglich. Nicht nur wegen des Gewichts des Mammuts. Wer hätte denn das für die Zubereitung wichtige Feuer am Laufen halten sollen, während wir alleine auf der Jagd waren. In diesem Kontext steht das soziale Bedürfnis in direktem Zusammenhang mit dem nackten Überleben.


Und entwicklungsbiologisch? Es gibt es nur wenige Lebewesen, die hilfloser und abhängiger als wir Menschen auf die Welt kommen. Der Bedarf nach Muttermilch ist uns natürlich mit allen anderen Säugetieren gleich, aber während kleine Pferde schon kurz nach der Geburt auf staksigen Beinen durch die Gegend wackeln und kleine Katzen immerhin nach ein paar Wochen neugierig ihre Umgebung erkunden und mit einem guten Jahr ausgewachsen sind, dauert das alles bei uns Menschen doch deutlich länger.


Wir brauchen die Bindung zu anderen Menschen, zu unseren Eltern oder anderen Bezugspersonen also schon alleine für die Erfüllung unserer Grundbedürfnisse (wir erinnern uns: Nahrung, Wasser, Schlaf & Co.).


Darüber hinaus brauchen wir auch emotionale Zuwendung, wie unter anderem das grausame Experiment von Friedrich II. mit Waisenkindern zeigte. Gemäß der Versuchsanordnung fütterten und wickelten Ammen die Babys, sprachen, spielten oder kuschelten aber nicht mit ihnen. Alle Kinder starben.


Es sind also nicht nur die physischen Grund- und die Sicherheitsbedürfnisse, die unsere sozialen Bedürfnisse ausmachen, sondern auch das Bedürfnis nach emotionaler Verbindung.


Soziale Bedürfnisse und unser Nervensystem


Auch für die Entwicklung unseres Nervensystems ist die Bindung zu anderen Menschen essenziell. Dass wir als hilflose kleine Bündel geboren werden, habe ich oben schon erwähnt. Glücklicherweise kommen wir mit ordentlich Entwicklungspotenzial auf diese Welt. Viele der Nervenverbindungen in unserem Gehirn werden erst nach unserer Geburt und in den ersten Lebensjahren geknüpft. Das passiert zum Einen durch das eigenständige Erkunden und Erfahren der Umwelt, aber vor allem auch durch Zuspruch, Zuwendung, durch Nachahmen und Lernen von Vorbildern. Je stärker und nährender die Verbindung zu unseren Kontaktpersonen, desto umfangreicher die Entwicklung unseres Nervensystems.


Das gilt übrigens bis in hohe Alter. Heute weiß man, dass diese Entwicklungs- und Umbauffähigkeit unseres Gehirns zwar etwas langsamer wird, wenn wir altern, aber bis zum Lebensende erhalten bleibt. Das heißt also, dass auch im Hinblick auf unser Nervensystem Verbindung zu anderen Menschen auch im Erwachsenenalter günstig ist.


Und noch etwas: Dass unser Nervensystem auf äußerliche Reize reagiert, haben wir sicherlich alle schon mal gehört – und erfahren sowieso. Und vermutlich ist uns allen bekannt, dass wir auf Hochstress mit Flucht, Kampf oder Erstarren reagieren. Genau genommen ist das nicht ganz richtig. Bevor Flucht-, Kampf- oder Erstarrungsreaktionen erfolgen, gibt es zunächst einen Bindungsversuch: In bedrohlichen Ausnahmesituationen suchen wir als erstes nach anderen Menschen, an die wir uns halten können. Und erst, wenn das scheitert, nehmen wir die Beine in die Hand oder ballen die Fäuste.


Auch unser Nervensystem ist also ein Fan von der sozialer Bedürfnisse.


Soziale Bedürfnisse und die Liebe


Liebe gehört wohl zu unseren stärksten Emotionen, sowohl hinsichtlich der Intensität der Empfindung, als auch in Bezug auf ihre Auswirkung auf uns. Liebe beflügelt und Liebe gibt uns Halt, denn sie lässt uns vertrauen.


Dabei gibt es ganz unterschiedliche Arten von Liebe: von der bedingungslosen, tiefen Liebe zu Partner*in, Familie oder auch engen Freundschaften bis hin zu einem wohlwollenden kollegialen oder nachbarschaftlichen Verhältnis. Das alles lässt sich im Spektrum der Liebe ansiedeln.


Wir brauchen all diese unterschiedlichen Arten von liebevollen Verbindungen für unser seelisches Wohlbefinden. Mit Menschen, mit denen wir in Liebe (egal welcher Ausprägung) verbunden sind, fühlen wir uns sicher und geborgen, von ihnen können wir lernen, sie um Hilfe bitten, uns mit ihnen weiter entwickeln.



Zwei Menschen reichen sich die Hand.


Wen brauchst Du für Deine emotionale und mentale Gesundheit? Gestalte Deine Beziehungen.


Dass und wofür wir andere Menschen brauchen, warum wir also soziale Bedürfnisse haben, davon haben wir oben nun einen kleinen Eindruck gewonnen. Aber können wir denn auch etwas dafür tun, dass wir solche Menschen, die unsere sozialen Bedürfnisse erfüllen, in unserem Leben haben?


Viele Menschen landen ohne unser direktes Zutun in unserem Leben: unsere Ursprungsfamilie, Klassenkamerad*innen, Kommiliton*innen, Kolleg*innen. Manche von ihnen tun uns richtig gut, andere rauben uns Energie. Darum ist es wichtig, dass wir unsere sozialen Bindungen aktiv gestalten.


Können wir darauf denn überhaupt Einfluss nehmen? Ja – zumindest in Teilen. Wir können selbst entscheiden, welchen Kontakt wir wie intensiv pflegen und wo wir den Kontakt reduzieren oder vielleicht sogar meiden.


Impuls für die Erfüllung Deiner sozialen Bedürfnisse

Notiere die Namen aller Menschen, die in Deinem täglichen Leben regelmäßig einen Anteil haben. Das gilt nicht nur für Familie, Freund*innen oder Mitarbeitende, sondern auch für die Hausärztin, den Kosmetiker, die Barrista, den Gemüsehändler. Fühlst Du Dich in ihrer Gegenwart wohl? Tragen sie etwas zu Deiner emotionalen und mentalen Gesundheit bei?


Lautet die Antwort ja: Prima, vielleicht tut es ja sogar gut, den Kontakt zu intensivieren? Zum Beispiel, indem Du mit der Kollegin nicht nur nett an der Kaffeemaschine plauderst, sondern auch mal Mittagessen gehst.


Lautet die Antwort nein: Dann ist es an der Zeit, den Kontakt zu reduzieren. Es gibt genug Bäckereien auf dieser Welt. Du musst Dein Brot nicht bei dem Bäckereifachverkäufer kaufen, der immer mit dem falschen Fuß aufsteht. (Und ja, vermutlich gibt es einen Grund für seine schlechte Laune, aber Du bist nicht sein*e Therapeut*in).


Das gilt übrigens auch für Freundschaften. Wie intensiv wir diese leben, können wir ebenfalls bewusst in die Hand nehmen. Während wir die eine Freundin gerne wöchentlich treffen, reicht es bei anderen Freunden aus, sich einmal im Vierteljahr oder auch nur zu runden Geburtstagen zu sehen, weil sie uns dieser Taktung gut in höhere Intensität aber eben nicht gut tun.


Wichtig ist es, dass wir genau wahrnehmen, was bzw. wen wir brauchen und uns kongruent zu dieser Wahrnehmung verhalten. Dann tragen soziale Verbindungen dazu bei, dass es uns emotional und mental gut geht.


Fazit


Wir haben soziale Bedürfnisse. Wir brauchen Menschen um uns herum. Wir brauchen sie, um uns sicher, geborgen und zugehörig zu fühlen. Wir brauchen sie, um zu wachsen, zu lernen, uns zu entfalten.


Es gibt Menschen, die uns gut tun. Und andere, die es nicht tun. Um unsere emotionale und mentale Gesundheit zu unterstützen, ist es wichtig, dass wir gut mit uns in Kontakt sind und unsere Beziehungen entsprechend unserer ganz individuellen Bedürfnisse gestalten.


Sehr gerne begleite ich Dich auf diesem Prozess, für Dich selbst herauszufinden, wer Dir gut tut und wer nicht. Und ich begleite auf dem Weg, Beziehungen so zu leben, wie sie Dir gut tun.


Lass uns in einem unverbindlichen Kennenlerncall oder auch direkt in einem Erstgespräch schauen, was Dich hinsichtlich Deiner soziale Verbindungen umtriebt und wie Du hier gestaltend wirken kannst.



Zum Weiterhören:



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